Beine mit pinken Sneakern an den Füßen vor Wand mit Graffiti

Kinderrechte kennen und einfordern

Ombudschaft Jugendhilfe NRW hat in fünf Jahren 1000 Kinder, Jugendliche und Eltern beraten

Kinder, Jugendliche und ihre Eltern müssen ihre Rechte kennen und wahrnehmen. Das ist ganz besonders wichtig, wenn sie Schwierigkeiten in Einrichtungen der Jugendhilfe oder mit dem Jugendamt haben. Seit fünf Jahren gibt es in Nordrhein-Westfalen den Verein Ombudschaft Jugendhilfe NRW. In dieser Zeit hat die unabhängige externe Schlichtungs- und Beratungsstelle 1000 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen geholfen, die Anspruch auf persönliche Hilfen nach dem Jugendhilferecht (SGB VIII) haben, sich aber nicht ausreichend beteiligt, beraten oder betreut fühlen. Der Paritätische NRW hat die Gründung des Vereins 2013 maßgeblich mit angestoßen.

Umfangreiche Unterstützung


Habe ich das Recht meine Akten einzusehen? Darf ich mitreden, in welche Einrichtung ich kommen soll? Darf man mir in der Wohngruppe das Taschengeld entziehen? Wie lange habe ich Zeit für einen Widerspruch beim Jugendamt? Warum dauert es so lange, bis mein Antrag bearbeitet wird? Das sind Fragen, um die sich die 23 ehrenamtlichen, fachlich qualifizierten Ombudspersonen und zwei hauptamtlichen Fachleuten täglich kümmern. 15 Prozent der Anfragen kommen direkt von jungen Menschen. Sie werden dann regelmäßig von einer Ombudsperson besucht und falls notwendig auch zum Jugendamt oder zum freien Träger begleitet. Das kann dauern, denn bei Themen rund um die so genannte Hilfeplanung kommen schon einmal bis zu 100 Stunden zusammen. 

Gesetze verständlich machen


Ombudschaft ist grundsätzlich parteilich für die Umsetzung der Kinderrechte tätig, hat aber das Ziel den Konflikt zwischen Ratsuchenden und Fachkräften in Einrichtungen oder Jugendämtern einvernehmlich zu lösen. „Die haben für uns die Gesetze in unsere Sprache übersetzt. Wir haben von unseren Rechten erfahren und am Ende mit dem Jugendamt eine Lösung gefunden, die uns wirklich hilft“, bringt ein Jugendlicher das Prinzip Ombudschaft auf den Punkt. Das größte Missverständnis in den Ämtern: Die gesetzlich (in § 36 SGB VIII) vorgeschriebene Partizipation junger Menschen wird mitunter als eine formale Anhörung missverstanden, ohne dass sie mit ihren Meinungsäußerungen tatsächlich Einfluss auf Entscheidungen nehmen können. So hat es der Gesetzgeber nicht gemeint. Ombudsstellen sind deshalb notwendiger Bestandteil einer Jugendhilfe, die Beteiligung ernst meint. 

Augenhöhe anstatt Eskalation


„Wir sorgen für Augenhöhe, nicht für Eskalation“, sagt Sabine Gembalczyk, Referentin der Ombudsstelle. Das haben auch Jugendämter verstanden: Seit Februar 2016 berät unter dem Dach der Ombudschaft Jugendhilfe NRW die Fachstelle zur Förderung örtlicher/regionaler Beschwerdestellen in der Jugendhilfe in NRW Großstadtjugendämter oder Zusammenschlüsse kleinerer Jugendämter beim Aufbau und beim Betrieb einer ortsnahen Beschwerdestelle in Eigenregie des Jugendamtes oder gemeinsam mit den örtlichen freien Jugendhilfeträgern. Mit 12 Stadt- und Kreisjugendämtern gibt es bislang Vereinbarungen über die Beratung durch die Fachstelle. Weitere sieben Jugendämter haben sich entschieden, dass die Ombudschaft Jugendhilfe NRW die externe und unäbhängige Beschwerdebearbeitung von jungen Menschen und ihren Angehörigen für Ihre Kommune übernimmt. Regelmäßige Feedbackgespräche mit diesen Jugendämtern sind Bestandteil der Qualitätsentwicklung des Jugendamtes.