Seite drucken   Sitemap   Mail an den Paritätischen in der Städteregion Aachen   Hinweise zur Änderung der Schriftgröße  

Zukunft Städteregion: Die sozialen Strukturen gemeinsam verbessern

Karikatur Pilger

Karikatur: Mele Brink, Newsletter StädteRegion

Die regionale Neugliederung soll neben einer Verschlankung der Verwaltung vor allen Dingen die beiden Gebietskörperschaften mit einer gemeinsamen politischen Vertretung, dem Regionsrat, nach innen und außen stärken. Im Herbst 2009 findet die erste Wahl zum Städteregionsrat statt. Mit einer Einwohnerzahl von rund 568.000 Menschen und einer Größe von 707 qkm wird der Städteregion einiges Gewicht zukommen.

Diese Neustrukturierung unterstützen und begleiten wir gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtspflege, besonders im Hinblick auf das soziale Profil der Städteregion. Denn die Mehrzahl unserer Vereine ist auch heute schon auf Stadt- und Kreisebene tätig. In der Regel spielt es keine Rolle, ob Klienten einer Beratungsstelle in der Stadt oder im Kreis ihren Wohnsitz haben. Auch der Paritätische selbst hat die seit langem als künstlich empfundene Trennung zwischen Stadt und Kreis aufgehoben: Im November 2007 haben sich die beiden Kreisgruppen zur Kreisgruppe Städteregion zusammen gefunden.

„Feuermelder“ für notwendige Bedarfe
Als Dachverband befassen wir uns seit 38 Jahren mit den sozialen Lebenslagen in den beiden Gebietskörperschaften. Heute zählen wir 111 Mitgliedsorganisationen (von der Aachener Laienhelferinitiative über die Lebenshilfe bis zum Verband Alleinerziehender Mütter und Väter). Alle unsere Mitgliedsorganisationen sind in ihren Ursprüngen kleine Vereine, d.h. Zusammenschlüsse von Bürgern, Eltern oder von der Sache her engagierten Menschen, die die Möglichkeiten der Gemeinnützigkeit für die Verbesserung von sozialen Perspektiven nutzen. Wir als Dachverband beraten die Initiativen und Vereine auf ihrem Weg der fachlichen und wirtschaftlichen Entwicklung. Als Träger bieten sie entweder Leistungen an, die anerkannt und im Gesetz bereits verankert sind (z.B. im Behindertenrecht), oder sie sind „Feuermelder“ für notwendige Bedarfe, die der Gesetzgeber (noch) nicht berücksichtigt hat. So war es in der Versorgung und Integration behinderter Menschen oder in der Kinderbetreuung und so ist es heute noch in teils tabuisierten Bereichen wie versteckter Armut, Aids oder Gewalt gegen Frauen. Die Beteiligung an der Weiterentwicklung der sozialen Infrastruktur ist somit eine der wichtigsten Aufgaben des Paritätischen.

Daten und Informationen, die gesellschaftlich bedingte Symptome auch für die Städteregion beschreiben und einschätzbar machen, liefern zum einen große Studien von Bundes- und Landesministerien. Danach haben zum Beispiel
- mehr als ein Viertel (27%) der Bevölkerung eine 12-Monatsprävalenz für psychische Krankheiten (Grünbuch der EU-Kommission, 2005)
- 58% von 10.000 befragten Frauen unterschiedliche Formen sexueller Belästigung erlebt (Studie des BMFSFJ zur Lebenssituation von Frauen, 2005.

Zusätzlich analysieren und bewerten die Mitgliedsorganisationen der Kreisgruppe Städteregion die Entwicklung der sozialen Bedarfe vor Ort. Allen Bedarfen (Gesundheit, Existenzsicherung u. a.) liegen Faktoren zugrunde, die eine Kommune nicht alleine beheben oder auch bearbeiten kann. Für die soziale Lebensqualität in der Städteregion wird daher u.a. entscheidend sein,
- wie frühzeitig Probleme wahrgenommen werden,
- welche Hilfesysteme und Netzwerke aufgebaut werden,
- wie zugänglich die Hilfesysteme sind,
- wie Familien und Kinder unterstützt werden
- welche Bildung uns zur Verfügung steht.

Unsere Rolle: Beratung und Vernetzung
Unser Ziel ist, sowohl die demografische Entwicklung als auch die gesellschaftlichen und individuellen Bedingungen von problembelasteten Lebenslagen stärker wahrzunehmen und gemeinsam zu verbessern. Ausgehend von den Erfahrungen unserer Beratungsstellen und den sozialen Zielen der Politik wollen wir Maßnahmen entwickeln, die das Gesamtspektrum ergänzen. Unsere Rolle als Dachverband ist die Beratung der Mitgliedsorganisationen, die Mitarbeit in Gremien und das Informationsmanagement nach innen und außen. Zum Beispiel engagieren wir uns im „Forum Soziales“, der neuen Plattform für die Akteure der StädteRegion Aachen, ebenso wie bei der Erstellung des Sozialentwicklungsplans für die Stadt Aachen, der die Daten der Verwaltung mit den Signalmeldungen der Freien Träger und Sozialverbände zu komplexen Handlungsempfehlungen verknüpfen soll.

Wir sehen unsere Aufgabe darin, das Expertenwissen unserer Mitgliedsorganisationen über die Beratungs- und Dienstleistungsbedarfe der Bürgerinnen und Bürger mit der Zukunftsplanung von Stadt und Städteregion zusammenzuführen. Nur so wird das soziale Profil einer Stadt zu einer Visitenkarte auch für Politik und Verwaltung, und nicht zuletzt auch zu einer Einladung, sich mit dieser Lebensqualität zu identifizieren und zum eigenen bürgerschaftlichen Engagement motivieren zu lassen.

Regine Berg, Merete Menze
September 2008

 



 
top